Allgemein

Health First!

Health First!

Wie Du „Entspanntsein“ messbar machst und Deinen Inneren Kritikern den Nutzen des Faulenzens vermittelst.

Ein Artikel von Marion Mahnke, Systemischer Resilienz-Coach, Solo-Selbständige, Mutter einer Teenagerin, eines 11jährigen und einer behinderten Tochter, Familien-Managerin mit Hund …

„Entspann Dich doch mal!“ – leichter gesagt als getan. Auch ich habe diese Stimmen im Kopf, die dafür sorgen, dass es schwer ist mit gutem Gewissen Mußezeiten zu genießen, sich Zeit für Sport, Yoga oder Atemübungen zu nehmen, Hobbys zu pflegen oder einfach bei einem Capucchino die Sonne zu genießen und gar nichts zu tun.

So vieles scheint wichtiger: Geldverdienen, die Kinder von der Musikschule abholen, noch schnell den Einkauf erledigen, die Küche aufräumen, Telefonate und Terminen abarbeiten, endlich diesen Blogartikel schreiben … Unsere To-Do-Listen sind oft so lang und „Ich-Zeit“ steht nur selten drauf, oder?

Ausruhen, Muße, Entspannen. Wir wissen alles, dass das wichtig für die Reduktion von Stress ist. Aber es erscheint so wenig „effektiv“. Es gibt keine „Ziele“. Keine „Ergebnisse“. Keinen „Erfolg“.

Wirklich nicht?

Doch! Gibt es. Doch den meisten von uns fällt nur die Waage als Messinstrument ein. Doch das Körpergewicht als einzige Kennzahl frustriert öfter als dass es uns motiviert – oder?

 Also:  Wie mache ich „gesundheitlichen Erfolge“ in positiver Weise fassbar?

Stressmarker identifizieren
Gesundheitlicher Erfolg ist messbar. Und zwar im Ausbleiben von Stress-Symptomen.  Wenn wir diese identifiziert haben, dann können wir ermessen, inwieweit es uns gelingt die Anforderungen des Alltags und den daraus entstehenden Stress gut zu bewältigen.

Bei mir sind die typischen Symptome beispielsweise Tinnitus, Nackenverspannungen, Migräne-Attacken, Müdigkeits-Anfälle und depressive Verstimmungen und ein allgemeines körperliches Unwohlsein. Bei Dir können es andere Dinge sein:  Herzrasen zum Beispiel oder das Gefühl von Getriebensein oder dein Schmerzmittel-Bedarf. Im ersten Schritt gilt es also diese Stressmarker zu identifizieren:

  • Tinnitus?
  • Nackenverspannungen?
  • Migräne-Attacken?
  • Müdigkeit/Depressive Verstimmungen?
  • Allgemeines Unwohlsein?
  • Ernährungsverhalten?

Was sind Deine typischen Stress-Marker? Woran erkennst Du, dass Du heute und in der letzten Woche gut für Dich gesorgt hast?

Mein Freund der Tinnitus …
Wichtig dabei ist: Versuche diese Stressmarker nicht als „negative Stimmen“ zu verstehen. Sie sind viel mehr „kritische Freunde“, die Dir sagen: „Hey – Stopp! Du halst Dir gerade zu viel auf!“. Seit ich den Tinnitus als „nervigen aber wohlmeinden Ratgeber“ verstehe und realisiere dass meine Migräne mich zwingt kürzer zu treten, weil ich nicht gut für mich selbst sorgen konnte, komme ich viel besser mit diesen bislang ungeliebten Symptomen zurecht.

Stress-Punkte ermitteln
Um meinen aktuellen Erfolg im Stress-Management zu ermitteln, blicke ich auf den Tag oder die Woche und gebe ich mir 0-10 Stress-Punkte pro Marker

Der Tinnitus hat gar nicht vorbeigeschaut? Okay – 0 Stress-Punkte. Die Nackenverspannungen waren diese Woche nur zweimal da und ich konnte sie mit einem Bad wegbekommen: Gibt 3 Punkte. Keine Migräne und auch keine unangemessene Müdigkeit – beides 0 Stresspunkte! Yeah!

Depressive Verstimmungen kamen diese Woche selten auf – und waren mit Spaziergängen und Sport in Griff zu bekommen: 5 Punkte. Ich merke aber, dass ich mich letzte Woche manchmal irgendwie aufgebläht gefühlt habe: 4 Punkte für „Allgemeines Unwohlsein“.

Die Ernährung habe ich zwar vielfältig gestaltet – aber an zwei Abenden doch die Kontrolle verloren. Klares Stress-Signal! Ich denke das sind 6 Punkte auf der Stressampel. Sind insgesamt 18 Punkte für eine Woche… Gar nicht so schlecht!

Am Ende eines Tages oder einer Woche bekomme ich so einen Überblick darüber, ob der Stress mir geschadet hat, oder ob ich ihn angemessen bewältigen konnte – und ob die Maßnahmen, die ich ergriffen habe tatsächlich taugen.

Erfolg
Doch wann ist deine Woche „erfolgreich“? Dafür gibt es keine absoluten Zahlen, denn es hängt ja von der Menge deiner Stressmarker ab, die Du in Deine persönliche Liste aufnimmst. Außerdem spielt eine Rolle, wie Du selbst die Skala einsetzt und in welcher Situation du gerade bist.

18 Punkte sind für mich recht gute Bilanz, da ich wirklich sehr viele Anforderungen in meinem turbulenten Alltag als Selbständige, Mutter und Pflegeperson zu bewältigen haben. Noch dazu mitten in der Pandemie – das Ergebnis für eine Arbeitswoche völlig okay – bietet aber noch Potential. Mein Erfolgsziel für die nächste Woche ist es also „unter 18“ zu kommen. 

Natürlich ist die 0 ein schönes Ziel. Aber die wirklich wichtige Frage ist Folgende:  Mit wie vielen Stresspunkten fühlst Du Dich wohl? Mit wie vielen kannst du (eine Weile) gut leben? Ab welcher Punkt-Zahl gefährdest Du Deine körperliche und psychische Gesundheit dauerhaft? Wenn Du eine Weile mit dieser Methode arbeitest, wirst Du immer besser spüren wo DEINE Grenzlinien verlaufen.

Konsequenzen
Mit dieser Methode können wir den Erfolg unserer Stressmanagement-Maßnahmen messen. Und: Sie erlaubt es uns guten Gewissens Maßnahmen zu ergreifen: Zeit für unsere Yoga-Stunde reservieren, den Capucchino-in-der-Sonne-Termin im Kalender einzutragen, eine Stunde länger mit Genuss im Bett liegen zu bleiben und unseren Roman zu lesen. Weil es dann eben nicht mehr „Nichtstun“ ist – sondern ein aktiver Beitrag zu unserer Gesundheit.

Außerdem können wir überlegen – und nachvollziehen – welche Methoden uns individuell am meisten helfen? Die tägliche Radtour? Die wöchentliche Wanderung im Wald? 3mal täglich 3 Minuten Atemübungen? Eine achtsame Grundhaltung? Unser tägliches Work-Out? Büro-Gymnastik oder aktive Mittagspause? Oder eher ein regelmäßiger Mittagsschlaf?

Leben ist mehr als „Dinge erledigen“!
Die Möglichkeiten sind vielfältig. Und jedem hilft etwas anderes. Doch es geht nicht darum möglichst „effektiv“ Stress zu „managen“. Es geht darum ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Verpflichtungen und Entspannung zu finden. Dinge zu tun, die uns Freude machen – und uns guten Gewissens die Zeit dafür nehmen! 

Denn letztlich ist das Leben nicht dafür da „Dinge“ zu erledigen. Es ist unser Leben. Unsere Zeit. Und wir können – und dürfen uns in unserem Leben wohlfühlen. Nicht um „noch bessere“ Leistungen zu erbringen, wie die Anti-Stress-Schulungen der Arbeitgeber es suggerieren oder um als Pflegeperson „leistungsfähig“ zu bleiben, wie der Resilienz-Kurs der Krankenkasse nahelegt. Einfach um selbst ein gutes Leben zu leben. Wir wissen, dass wir das wert sind. Wir wissen, dass wir es dürfen. Wir wissen, dass wir es uns erlauben können. Aber viele von uns haben da diese Stimmen.

Sichtbarer Erfolg beruhigt die inneren Stimmen
Viele kennen diese inneren Stimmen, aus der Kindheit, die Botschaften des Inneren Teams oder wie auch immer man es nennt. Stimmen, die uns aus der Badewanne treiben, weil wir uns doch endlich um die Kinder kümmern müssen. Die uns dazu bringen doch noch eine umfangreiche Arbeit fertigzustellen, statt endlich an der Sonne laufen zu gehen. Oder die uns dazu treiben die Küche aufzuräumen statt nach einem Nacken-Yoga mit einem guten Buch und einem Glas Wein den Feierabend zu genießen.

Diese Stimmen lieben „Kennzahlen“. Diese Stimmen lassen sich beruhigen, wenn wir „Gesundheit“ als oberstes Ziel definieren und der inneren Buchhalterin, der Stimme des Kritikers im Kopf oder der Antreiberin „Ergebnisse“ präsentieren können.

Und nicht nur dass: Plötzlich arbeiten sie nicht gegen uns, sondern mit uns. Die innere Buchhalterin nickt zustimmend und sagt: „Ja – deine Stress-Punkte gehen in die Höhe! Nimm dir ein verlängertes Wochenende – nur so bist Du dann fit für die kommende Woche!“. Der Kritiker kommentiert: „Super, dass Du jetzt Dein Buch in der Wanne liest – damit optimierst Du Dein Stress-Management!“. Die Antreiberin betont: „Jetzt klapp den Laptop zu – es ist Zeit für unsere Draußen-Zeit! Du musst dringend noch 2 Stunden Aktivität in der Sonne haben, damit wir diese Woche unsere Stress-Punkte vom letzten Mal unterbieten können!!“.

Auf diese Weise bekämpfen wir diese Stimmen nicht, die uns daran hindern Ich-Zeit, Gesundheit und Wohlbefinden mit Prioritäten zu behandeln. Wir holen sie ins Boot, indem wir unseren Gesundheits-Erfolg messbar machen.

So – und ich muss nun endlich diesen Artikel beenden und Laufen gehen! Noch ist etwas Sonne da … und meine Emails werden warten müssen, bis ich wieder entspannt und gelassen an die Arbeit gehen kann!

Ich hoffe diese Impulse haben Euch gefallen und bin sehr neugierig auf Eure Rückmeldungen!

Eure
Marion Mahnke
Dein Systemischer Resilienz-Coach
von www.marion-mahnke.de und www.aussergewoehnlich-gut-leben.de

Du hast beschlossen, deinem Stress aktiv zu begegnen? Dann helfen Dir vielleicht meine Expertinnen zum Thema Achtsamkeit und Ernährung.
Allgemein

Die „Magie“ das Vision-Boards Coaching-Impuls für Zuhause …

Die „Magie“ das Vision-Boards Coaching-Impuls für Zuhause …

„‘Echt jetzt? Ausschneiden von Bildern und Aufkleben von Schnipseln soll mir tatsächlich in meinem Alltag helfen?´ ich damals gedacht, als ich mein erstes Vision-Board kleben sollte.“ erzählte mir kürzlich eine Klientin im Seminar. „Und – hat`s geklappt?“ wollte ich neugierig wissen? „Ich hab mich dann drauf eingelassen und was soll ich sagen – 90 Prozent von dem was ich da aufgeklebt habe, hat sich wirklich erfüllt!“

Was genau ist eigentlich ein Vision-Board? Wozu ist das gut und wieso schwören so viele auf die „Magie“ des Boards?

Letztlich handelt es sich beim Vision-Board um eigentlich um eine Art Collage. Damit diese Collage „magisch“ wird, braucht es jedoch eine bestimmte Heransgehensweise und Technik. Neugierig geworden? Dann lade ich Dich ein es auszuprobieren. Los geht´s:

Du brauchst:

  • 3-4 Zeitschriften, Illustrierte, Prospekte oder ausgedruckte Bilder aus dem Internet
  • ein großes Blatt oder Fotokarton (A2 oder zwei A3-Bögen)
  • Schere und Kleber
  • Nach Wunsch: Aufkleber, Sternchen, Glitzerkleber oder andere Deko-Materialien
  • (Und ggf. ein zwei weitere Zeitschriften und ein Blatt um die Kinder zu beschäftigen, falls du das nicht in Ruhe machen kannst wenn diese schlafen oder doch mal in der KiTa sind. Arbeitsauftrag an Kinder kann sein: Schneide alles aus was blau ist. Schneide alle Tiere aus, die du findest. Reiss die Zeitschrift in Stücke und klebe die Schnipsel bunt zusammen.)

Schritt 1: Intuition und Inspiration wirken lassen

Nimm dir zunächst eine Stunde um entspannt und locker durch deine Zeitschriften zu Blättern. Lifestyle-Magazine wie happinez, Landlust oder auch Illustrierte bieten schöne Bilder. Doch auch alte Reiseführer, Bilderbücher die längst ins Altpapier sollten, Prospekte oder Mitgliedermagazine deines Vereins bieten schönes Bildmaterial. Manche arbeiten auch gern mit Bildern aus dem Internet.

In dieser ersten Stunde darfst du alle Bilder ausschneiden, die du schön findest. Es braucht noch keinerlei Sinn dahinterstehen. Ob Blume, Auto, Baby oder einfach ein schöner Farbverlauf – alles ist erlaubt. Auch Sinnsprüche oder einzelne Worte oder Slogans, die dir auffallen dürfen ausgeschnitten werden.

Lasse deinem Unbewussten freien Lauf. Manchen hilft es dennoch, eine Fragestellung zu haben. Das kann z.B. sein: „Wovon möchte in diesem Jahr mehr in mein Leben holen?“ oder „Was möchte ich in den kommenden 4 Jahren erreichen oder ermöglichen“. Oder auch: „Mein perfektes Familienleben 2021“.

Wichtig ist bei der Fragestellung, dass sie dein Unbewusstes dazu einlädt sich den optimalen positiven Zustand vorzustellen und der Intuition freien Raum lässt. 

Schritt 2 Auswählen und Arrangieren

Nun hast du eine Menge Bilder oder Wortschnipsel. Im nächsten Schritt geht es darum auszuwählen. Überlege, welche Bilder unbedingt auf dein Vision-Board gehören. Welches Motiv ist dir wichtig? Welches Bild gefällt dir am Besten? Was soll sich in deiner Zukunft verwirklichen?

Denke nicht darüber nach, ob das realistisch ist, oder was es bedeutet. Du möchtest ein Pferd im Zentrum deines Vision-Boards obwohl du in einer kleinen Wohnung im Herzen Berlins lebst? Egal – wenn dein Herz ein Pferd in der Mitte des Boards will – klebe es dahin! Da sind Babys in deiner Bildersammlung aufgetaucht, obgleich du über 50 und absolut fertig mit deiner Familienplanung sind? Macht nichts – die Intuition wird dir irgendwas damit sagen wollen – also kleb’s auf. Was es bedeutet überlegen wir später!  Die Ballett-Tänzerin oder die Sonnenblume wollen auf das Board? Dann gib ihnen einen schönen Platz! Sie werden irgendwie wichtig sein.

In diesem Schritt gilt es deiner Intuition zu vertrauen und dein Board so zu gestalten, dass es Dir aus dem Bauch und dem Herzen heraus gefällt.

Schritt 3 Das Finish: Dekorieren (optional)

Wenn du magst kannst du nun noch mit Lackstiften, Glitzerkleber, Aufklebern oder ähnlichem Akzente setzen, dem Ganzen einen Rahmen geben und I-Tüpfelchen setzen.

Schritt 4  Die Vernissage: Assoziieren und Würdigen (optional)

In meinen Seminaren werden die fertigen Vision-Boards nun in einer Art Vernissage ausgestellt und gewürdigt. Wer mag stellt sein Bild auf einer Leinwand auf und die anderen KursteilnehmerInnen werden eingeladen zu assoziieren, zu spekulieren und zu phantasieren. „Was will uns die Künstlerin damit sagen?“ frage ich offen in den Raum. Nun darf herumgesponnen werden. Oft fällt den fremden Betrachterinnen am Bild, der Gestaltung oder der Auswahl der Motive etwas auf, das der Gestalterin des Bildes nicht bewusst war. Es werden Sehnsüchte herausgearbeitet: „Mir scheint, dass die kreative Gestaltung darauf hindeutet, dass die Künstlerin mehr Spontaneität im Leben will.“ Oder „Vielleicht bedeutet die Ballett-Tänzerin in Kombination mit der Sonnenblume, dass irgendwas sich jetzt entfalten und gelebt werden möchte?“.

Diese Übung kannst du mit deinen Freundinnen, mit einem Kreis lieber Menschen per WhatsApp oder deinem Partner machen. Oder : Du schickst mir dein Foto per What’s App oder Email und ich gebe dir meine Assoziationen, sobald ich Zeit dafür finde.

Wichtig bei dieser Übung: Es ist spielerisch! Die Assoziationen erheben keinen Anspruch auf Wahrheit. Sie sollen nur weiterführende Impulse, Anregungen und Ideen bereitstellen. Möglicherweise ist mit dem Baby kein Kinderwunsch gemeint, sondern die Sehnsucht danach etwas Neues in die Welt zu bringen? Oder vielleicht ist das Pferd gar nicht symbolisch gemeint, sondern die Künstlerin möchte tatsächlich mehr Umgang mit Tieren haben?

Wenn du diese Übung nicht mit Freunden machen möchtest, kannst du das Bild auch einfach aufhängen und dich selbst in die Rolle des Betrachters begeben. Tu so, als hättest du das Bild noch nie gesehen und philosophiere laut was sich herauslesen lässt. Denn tatsächlich hat ja deine Intuition das Bild gestaltet – und nun darf dein Alltags-Ich sich damit konstruktiv auseinander setzen

Schritt 5 Titel und Genehmigung (optional)

Wenn du magst, kannst du nun einen spannenden Titel oder ein Motto finden. „Anspannung und Entspannung“ – „Mehr Ich für Mich“ – „Leben und leben lassen“ – „Folge Deinem Stern …“ sind solche Titel, die in meinen Seminaren schon vorkamen.

Und nun kommt der Teil, den meine TeilnehmerInnen lieben: Ich besitze einen „Genehmigt“-Stempel. Wenn die Künstlerinnen mit ihrem Werk wirklich zufrieden sind, dann erlauben sie der „Magie“ sich zu entfalten indem sie voller Lust und Entschlossenheit den Stempel drauf setzen und sich diese Zukunftsvision so selbst genehmigen. Denn nur du selbst kannst das „Go“ für die Entfaltung deiner Träume und Wünsche geben.

Wenn du keinen solchen Stempel besitzt, dann kannst du z.B. auch Datum und Künstler-Signatur in eine Ecke setzen oder auf die Rückseite ein großes „Ja“ oder „Gekauft!“ schreiben.

Wichtig ist, dass Dein Werk „spürt“, dass es wirklich gewollt ist. Selbst wenn du noch nicht ganz verstehst, was die einzelnen Bildelemente bedeuten. Du merkst, dass das Bild als solches „gut und richtig“ ist und dass diese Zukunft dir gut tun wird.

Schritt 6 Magie des Alltags – Kommunikation Bauch und Kopf

Das Herz will, was das Herz will – und der Bauch weiß, was uns gut tut. Dummerweise hat im Alltag häufig der Kopf das Kommando – kommuniziert aber nicht immer optimal mit Herz und Bauch. Das Vision-Board ändert das. Es kommuniziert über die Bilder und Wortschnipsel mit unserem Verstand.

Indem wir unser Vision-Board aufhängen (oder gar auf Leinwand ziehen lassen) geben wir den Wünschen, Träumen und Visionen unseres Unbewussten einen Platz in unserem Leben. Das erlaubt es Bauch und Herz sich nachdrücklicher zu Wort zu melden, wenn Entscheidungen anstehen. Und der Verstand beginnt mit jedem Blick auf das Board besser zu verstehen, was Herz und Bauch wollen. Und dann tut unser Verstand das, was er am Besten kann: Er findet Wege.

Nicht alles was der Verstand tut, findet im bewussten Bereich statt. Oft begegnen uns im Alltag Mikro-Informationen, die gar nicht ins Bewusstsein gelangen. Der Zettel vom Tierheim beispielsweise, auf dem dringend nach Helfern gesucht wird. Oft gelangt dieser nicht ins Bewusstsein, weil unser Verstand die Sehnsucht nach mehr Tieren im Leben gar nicht auf dem Schirm hat. Das Pferd auf dem Vision-Board ändert das. Wir nehmen Dinge wahr, die ansonsten ausgeblendet worden wären.

Das Vision-Board wird so zum Kompass unseres Herzens und der Verstand nutzt diesen Richtungsweiser um unser Leben entsprechend zu gestalten. Schrittweise und fast unbemerkt arbeiten Kopf, Herz und Bauch plötzlich in dieselbe Richtung. Uns so entsteht auf magische Weise eine Wirklichkeit, die nach einiger Zeit doch überraschend vieles von dem umsetzt, was wir auf unserem Vision-Board gestaltet haben.

Neugierig geworden? Probiert es aus! Und wenn ihr mögt – schickt mir Eure Bilder! Ich bin gespannt!

Allgemein

Ideenhelden

Mosaik oder Statue?

Identitätssuche als Ideenheld

Als ich 1994 mein Abitur machte, gab es noch keine Ideenhelden. Wer mit 18 Jahren noch kein klares Berufsziel hatte, gehörte zu den „Unentschlossenen“: Jenen, die schlicht nicht wussten, was sie wollten. Es war eine defizitorientierte Sicht auf die Dinge; niemand sah darin Potenzial, Vielbegabung – oder gar einen Sinn. Wir selbst am allerwenigsten!

Wenn Du dieses Gefühl von „Unbestimmtheit“ kennst, wenn die Vielfalt der Möglichkeiten Dich ganz schön fordert und Du 1000 Ideen und Fähigkeiten hast, möchte ich Dir eines sagen: Keine Panik! Die Identitätsentwicklung von Ideenhelden verläuft völlig anders, als die von Menschen mit eindeutigen Begabungen und Interessen. Und das ist gut so. Wenn mir das früher bewusst gewesen wäre, hätte ich vielleicht gelassener sein können, in den Jahren in denen ich einen Sinn in meinem Leben gesucht habe.

Wenn Du dagegen selbst Deine Identität und Bestimmung gefunden hast, bin ich neugierig, ob es Dir ähnlich ging wie mir? Vielleicht lassen sich Parallelen und Gemeinsamkeiten feststellen, in der Art und Weise, wie Ideenhelden sich selbst finden?

Wo immer Du stehst in deinem Leben: Ich möchte Dich einladen zu einer Zeitreise und Dir berichten, wie es mir ergangen ist. Am Ende des Artikels werde ich erläutern, weshalb ich daran glaube, dass die Welt uns „Unbestimmte“ braucht. Wieso bereits unser „Ideenheldentum“ ein Stück Bestimmung beinhaltet. Und zum Schluss möchte ich Dir eine Übung vorstellen, die helfen kann, mehr Klarheit über Deinen Weg zu gewinnen. Also wenn Du magst: Folge mir in meine Vergangenheit!

Ideen und Schule: Zwei Welten treffen aufeinander …

Ich ging gern zur Schule, denn ich war neugierig auf alles! Ich diskutierte leidenschaftlich gern und fragte hartnäckig nach dem „Warum“. Aber für neugierige Fragen, kreatives Denken, tiefergehendes Forschen und gar interdisziplinäre Ansätze gab es leider keinen Raum im Unterrichtsablauf. Mein Lernweg war methodisch nicht vorgesehen:„Du sollst nicht selbst denken – du sollst NACHdenken.“. Das war mir zu wenig!

So widmete ich mich außerschulischen Projekten in denen ich entdecken und gestalten konnte. Theater-AG, Schülerrat, Pfadfindergruppe und Schülerzeitung wurden mir wichtiger als das Wissen, das in den Fächern gepaukt wurde. Nebenbei las mich durch die komplette Schulbibliothek, schrieb Gedichte und philosophierte mit Gleichgesinnten über Gott, die Welt und den Sinn des Lebens.

1994 hatte ich neben meinem Abitur auch Zeugnisse als Gruppenleiterin, Babysitter und Organisatorin von Jugendfreizeiten vorzuweisen. Einen Sommer hatte ich als Zimmermädchen gejobbt, in den Ferien halb Europa bereist, mein Taschengeld in einer Wäscherei verdient, Praktika im Reisebüro gemacht und als Briefzustellerin gearbeitet. Meine Leistungen waren in fast allen Schulfächern ganz gut und ich hatte 1000 Träume und Ideen. Nur keine Antwort auf die Frage: „Was willst du werden?“.

Wo bitte wartet meine Berufung?

Irgendwie hatte ich immer angenommen, dass sich mir eines Tages offenbaren würde, welchen Beruf ich ergreifen sollte und wo mein Platz in der Welt war. Mein Elternhaus war wenig religiös geprägt, aber ich glaubte daran, dass es einen „Plan“ gibt. Ein Schöpfergeist, ein wohlwollendes Universum – einen Sinn hinter allem. Doch der Blitz der Erkenntnis ließ auf sich warten ….

Ideen hatte ich viele: Ich wollte Pädagogik, Philosophie, Psychologie und Journalismus studieren. Am liebsten gleichzeitig.Oder doch lieber Lehramt? Sozialarbeit und die ganze Reise-Branche klangen auch interessant. Ich wollte die Welt verändern, Menschen helfen, Weisheit erlangen, eine Familie haben. Lernen. Forschen. Verstehen. Verändern. Ich war ein praktischer Mensch – und liebte dennoch die Theorie, die Wissenschaft. Ein Leben war einfach zu wenig! Wie sollte ich mich entscheiden??
„Hauptsache du wirst glücklich!“ fand meine Mama. Aber womit würde ich glücklich werden?? Kurzerhand verschob ich die Berufswahl und machte erstmal ein FSJ im Wohnheim für Behinderte und chronisch Kranke. Die Auseinandersetzung mit den dunklen Seiten des Lebens brachte mich menschlich weiter – half aber nur bedingt bei der Berufswahl.

In begleitenden Seminaren hatten wir die Gelegenheit unsere Erfahrungen zu reflektieren und an uns selbst zu arbeiten. In mir wuchs ein diffuses Gefühl: Ich wollte keine Teilnehmerin sein – so etwas wollte ich leiten!
Kurz darauf fand ich mich auf einer Werbe-Veranstaltung der Kirche für den Beruf der Gemeinde-Diakonin wieder. Konnte es sein, dass ich hier richtig war? Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen war mir vertraut, Seelsorge faszinierte mich und soziale Arbeit war mir ein Anliegen. Organisieren und Veranstalten – das war mein Ding. Und ebenso wie ich auf der Suche nach meinem Beruf war, so war ich auch auf einer spirituellen Suche. Den Ausschlag aber gaben die Inhalte des Studiengangs:  Sie waren so vielseitig wie die Herausforderungen der Gemeindearbeit: Pädagogik, Psychologie und Philosophie gehörten ebenso dazu wie Methodik, Theologie und vieles mehr. Ein Traum: Alle meine Interessen in einem Studiengang!

Kern der Ausbildung war aber die „exemplarische Lerngruppe“ in der wir unser theoretisches Wissen über Kommunikation, Gruppenleitung, Gesprächsführung und Seelsorge ausprobieren und einüben konnten. Erfahrene Kollegen unterwiesen uns in der Kunst der „Klientenzentrierten Gesprächsführung“ und des „Aktiven Zuhörens“. Wir machten Praktika in Gemeinden und Schulen und hatte ein überreiches Angebot von vielfältigen Seminaren. Es war eine großartige Zeit des Lernens.

Berufsjahre

Es folgten einige Berufsjahre im kirchlichen Dienst. Die Arbeit machte mir Freude – doch mein Bedürfnis nach spiritueller Freiheit, mein Hang alles zu hinterfragen – das machte es schwer, innerhalb dieser Institution zu arbeiten. So wechselte ich zu einer Einrichtung, die Schulen für behinderte Kinder in Südostasien finanzierte.

Plötzlich war ich Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und fand ich mich in den Slums von Manila wieder. Ich begleitete Sozialarbeiter und Lehrer, machte Fotos und schrieb Reportagen über die Familien der Behinderten. Indonesien, die Philippinen, Hongkong – meine Begleiter führten mich in die hintersten Ecken und zeigten mir die ungeschönte Wirklichkeit ihres Landes. Erstmals begegnete ich echter Armut und wirklicher Not.

Im Studium hatten wir gelernt mitzufühlen, aber nicht mitzuleiden. Man hatte uns beigebracht Menschen so anzunehmen wie sie sind und nicht zu urteilen. Auf meinen Reisen mit den Pfadfindern und in dem Heim für Behinderte hatte ich viel gesehen – dies alles wurde hier auf die Probe gestellt.

Meine Eindrücke vermittelte ich unseren Spendern in Vorträgen und Artikeln: Die Stunden in der Theater-AG, das Sprechtraining im Studium, die Schülerzeitung kamen mir jetzt zu Gute!  War das nun meine Bestimmung? Der Sinn hinter meinen vielfältigen Interessen? Leider war mein Vertrag nur befristet und so musste ich weiterziehen.

Mit Baby an der Uni

Inzwischen war ich verheiratet und schwanger. An eine neue Stelle war daher nicht zu denken, aber zu Hause langweilte ich mich entsetzlich. Also schrieb ich mich nochmal an der Uni ein.

Mit Kinderwagen und Wickeltasche verbrachte ich glückliche Jahre in Hörsaal und Bibliothek: Aus einem bloßen Zeitvertreib wurde ein ernstzunehmendes Studium: Frei von der Notwendigkeit einen Abschluss zu machen, konnte ich den Dingen, die mich beschäftigten, auf den Grund gehen.

Im Berufsleben hatte ich einiges an Leid gesehen. Ich hatte bemerkt, dass es in keinem klaren Verhältnis zum Frohsinn der Menschen stand, die es getroffen hatte. Im Gegenteil: Menschen, mit denen es das Schicksal gut meinte, wirkten oft gelangweilt, unzufrieden und unglücklich. Dagegen gab es Leute, denen das Leben wirklich übel mitgespielt hatte, die aber dennoch zufrieden und fröhlich die Herausforderungen bewältigten, die vor ihnen lagen. Im Studium fand ich eine Antwort in den Forschungen zu Resilienz und Salutogenese.

Schicksalsjahre

Im Jahr 2008 traf mich das Schicksal selbst mit voller Wucht: Meine zweite Tochter wurde mit dem Down Syndrom geboren! Es riss uns den Boden unter den Füßen weg. Was immer ich über Bewältigungsstrategien und Seelische Widerstandskraft theoretisch gelernt hatte: Auf die Erfahrung ein behindertes Kind zu haben, war ich nicht vorbereitet.

Drei Jahre widmete ich mich meiner Familie. Wir bewältigten die Situation, ich arbeitete auf Honorarbasis als Pädagogin und Dozentin, bekam ein drittes Kind und vergrub mich schließlich doch noch in eine Forschungsarbeit über Identitätsentwicklung. Trotz langer Auszeit bestand ich mein Studium mit Auszeichnung … und hatte immer noch keinen neuen Beruf.

 

Patchwork-Biographie …

Mein vielfältiges Wissen, die verschiedensten Fortbildungen und meine bunte Lebenserfahrung – das erschien wie ein Sammelsurium unzusammenhängender Ereignisse. Ich hatte eine Berufs- und Bildungsbiographie, die einem Flickenteppich glich.

Ende 2012 betrachtete ich mich als ganz und gar nicht „erfolgreich“: Ich hatte zwei abgeschlossenen Studiengänge,  ein turbulentes Familienleben und bewältigte die Herausforderungen, die die Behinderung meiner Tochter mit sich brachte. Dennoch war ich immer noch ratlos, was denn nun der Sinn meines Lebens sein sollte und fühlte mich verloren in einer Welt in der Gleichaltrige längst Karriere gemacht hatten …

 

Wie ein Wunder …

Im Verlaufe meine Unizeit war „Coaching“ in Deutschland bekannt geworden. In Psychologie-Seminaren hatte ich mich damit beschäftigt und die neuen Tools in meinen Honoraraufträgen erprobt. Das meiste aber, war für mich altvertraut: Viele Methoden basierten auf dem, was ich in meiner Ausbildung zur Diakonin von Grund auf gelernt und in Fortbildungen und Berufsleben ständig genutzt und verfeinert hatte.

Ich nahm selbst ein Coaching bei einem renommierten Top-Coach in Anspruch und begriff: Coaching war Lebensberatung, Seelsorge und Begleitung von Menschen auf hohem Niveau. Ganz ohne Kirche, ohne Dogmatik und völlig an den Interessen des Klienten orientiert. Davon hatte ich immer geträumt!

Der Begriff „Coach“ fasste alles zusammen, was ich seit jeher getan hatte: Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung begleiten, sie bei ihren Projekten unterstützen und ihnen in Lebenskrisen beizustehen! Und man brauchte dafür genau das Wissen, was ich in all‘ den Jahren so scheinbar „ziellos“ erworben hatte. Endlich fügten sich alle Teile meines Lebens zu einem sinnvollen Bild zusammen:  Nach 20 Jahren hatte ich endlich meinen Traum-Beruf –  mehr noch: meine Berufung-  gefunden! Einen Beruf, den es 20 Jahre zuvor noch gar nicht gegeben hatte.

Alles hatte seinen Sinn …

Im Lauf der Zeit stellte sich heraus, dass ich besonders gut darin war, Knoten im Kopf zu lösen und Veränderungsprozesse zu begleiten. Entscheidungscoaching wurde ein wesentlicher Bestandteil meiner Tätigkeit; Persönlichkeitsbildung das zweite Standbein.
Alles fügt sich zu einem Bild und jedes Steinchen meines Lebens findet seinen Platz: Heute ist mir bewusst, welch‘ ein Schatz in meiner kirchlichen Ausbildung zu sehen ist. Was andere sich heute in einer nebenberuflichen Ausbildung aneignen müssen, habe ich quasi am Anfang meines Berufslebens in einem 3jährigen Vollzeit-Studium erarbeiten dürfen.

Meine Zeit als Öffentlichkeitsreferentin hat mir eine unglaubliche Souveränität als Rednerin beschert. Die Vielfalt von Jobs, Reisen und Nebentätigkeiten schenkten mir Einblick in unterschiedlichste Lebenswelten.

Meine Interessen hatten mich im Studium zu Themen wie Kommunikation, Identität, Resilienz, Beheimatung und Copingstrategien geführt – alles Wissen, das ich heute als Coach für Privatleben und Beruf täglich nutze! Was ich nicht mehr geglaubt hatte, ist passiert: Alles hat sich gefügt.

Im Nachhinein erstaunt mich vor allem eines: Niemand hätte voraussehen können, dass ich ein behindertes Kind haben würde! Wie zufällig war ich im Beruf schon intensiv mit Behinderten in Berührung gekommen und hatte mich im Studium mit entsprechenden Themen beschäftigt.

Aufgrund meiner eigenen Geschichte wurde die Begleitung von Eltern behinderter Kinder und Menschen in Krisen zu einem Spezialgebiet, das mir besonders am Herzen liegt. Inzwischen gebe ich regelmäßig Seminare in Selbsthilfegruppe für Eltern behinderter Kinder. Als Coach unterstütze ich diese Familien bei der Bewältigung der besonderen Herausforderungen ihres Lebens. Das könnte ich nicht, wenn irgendwas in meiner Biographie anders gelaufen wäre.

Mosaik oder Statue?

Inzwischen weiß ich: Ideenhelden entwickeln sich anders als Spezialisten. Während die einen eine Leidenschaft für ein Thema haben und dieses immer intensiver durchdringen wollen, lassen Ideenhelden sich von ihren Interessen und ihrer Inspiration führen. Und das ist gut so!

Manchmal blicken wir mit Neid auf diese Leute, die genau wissen, was sie wollen und wer sie sind. Diese Menschen ähneln Statuen: Großartig, präsent und eindeutig. Sie sind wie gemacht für ihre Aufgaben und kennen ihren Platz im Leben.

Wir Ideenhelden aber passen überall hin. Unser Wissen und unsere Erfahrungen gleichen 1000 Steinchen. Manchmal stehen wir ratlos davor und denken: Was soll ich damit? Wo ist da der Sinn?

Unsere Erfahrungen und unser Wissen erscheinen vielleicht zufällig – aber sie sind ein unerschöpfliches Potential aus dem wir tausend Mosaike legen können! Wir sind keine großartigen Statuen – aber uns ist es gegeben, aus unseren vielfältigen Interessen und durchwachsenen Biographien neue Bilder zu legen. Gerade die „Unbestimmtheit“ ist unsere Chance, denn wir können werden, was wir sein wollen!

Das Geheimnis ist: Die Steine WERDEN zusammenpassen. Schlicht, weil die Bruchteile unserer Biographien aus Dingen bestehen, die uns seit jeher interessiert und fasziniert haben. Wir müssen nur ein Stück zurücktreten, die Steine betrachten, polieren und neu zusammensetzen.

Die Wichtigsten von meinen Mosaiksteinen habe ich jahrelang ignoriert, weil ich sie für selbstverständlich hielt. Erst als ich realisierte, dass diese Steine ins Zentrum meines Lebens gehören, wurde alles ganz einfach.

Das ging aber erst, als ich aufhörte irgendwohin passen zu wollen und den Mut fand, meine eigene Identität zu entwickeln. Heute weiß ich: Berufung ist für Ideenhelden nichts, was uns von Außen ereilt – sie liegt verborgen in unserem Inneren. In dem, was uns fasziniert, was wir mit Leidenschaft tun und was uns begeistert.

Das Universum braucht Menschen wie Dich und mich. Zwischen all den Fachleuten und Spezialisten werden Generalisten gebraucht, die sie verbinden und die etwas werden können, was es noch nicht gibt. Menschen, die unbestimmt sind – und ihr Schicksal selbst wählen. Deswegen ist es zwar manchmal schwierig – aber irgendwie auch unsere Berufung – Ideenhelden zu sein!

 

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Ideenhelden-Blogparade #lebensdurstigeideenhelden von Diana Grabowski (www.ideenhelden.com) und Yasemin Akdemir (www.lebensdurstig.de), die sich einen Monat lang den Themen Vielbegabung, Vielseitigkeit und Scannerpersönlichkeit widmet. Jeden Tag gibt’s dazu spannende Blogartikel, Videos und Podcasts. Hier findest du auch noch eine Übersicht über alle Artikel der Parade.

Gestern gab es zum Beispiel den Beitrag von Marion Feuchter  zum Thema „Klarheit auf allen Ebenen — kraftvoll im Tun für Ideenhelden“. Morgen geht es weiter mit dem Beitrag von Simone Weissenbach zum Thema „So bleibst du dran, wenn du deinen Onlinekurs erstellst“, Ans Herz legen möchte ich euch auch die Beiträge von Cindy Pfitzmann („Entlarvt – 5 Ausreden, die dich abhalten, dein eigenes Online Business zu starten!“)  und Angelika Buchmayer (“Vielbegabt. Berufen – Wo Du mit Deiner Suche nach der Berufung am besten beginnst”).

Allgemein

Wie spreche ich mit meinen Kindern über Gewalttaten oder einen Anschlag?

Wie spreche ich mit meinen Kindern über Gewalttaten oder einen Anschlag?

„Ein Lastwagen fährt in eine Menschenmenge auf einem Weihnachtsmarkt: 12 Menschen sterben und 48 sind zum Teil schwer verletzt. Natürlich bekommen das auch Kinder mit. Wie sollen wir als Eltern mit ihnen darüber sprechen?“ – diese Frage stellte mir Fanny Tanck heute in Ihrer Sendung radioeins.

Eine wichtige Frage, gerade wenn schlimme Dinge in unserer unmittelbaren Umgebung geschehen, wie es ja bei einem Zugunglück, einem Amoklauf oder eben jenem katastrophalen Lastwagen-Vorfall in Berlin schnell der Fall sein kann.

Im folgenden Interview spreche ich mit Frau Tanck darüber, welche Möglichkeiten es gibt, diese Ereignisse kindgerecht einzuordnen und wie wir unseren Kindern helfen können damit umzugehen.

Sollen wir trotz dieses Vorfalls (oder jetzt erst Recht) auf Weihnachtsmärkte gehen?
Hören Sie meine Antwort:

 

Allgemein

Auf der Suche nach der Berufung

Die Berufung. Eine seltsame Sache! Manche suchen verzweifelt nach ihr, andere werden von ihr verfolgt. Berufung – was ist das überhaupt?

„Deine wirklich wahre Bestimmung“ sagt mir mein spiritueller Ratgeber. „Mein Beruf“ findet eine Kollegin. „Der Kram, der dir immer hinterherläuft und den du offensichtlich magisch anziehst, ob du willst oder nicht!“ seufzt der Kassenwart meines Vereins.

„Finde deine Berufung!“ fordern mich Seminare und Glückscoaches auf und setzen hinzu: „Folge deiner Mission!“. Offenbar wird alles gut, wenn man seine Berufung erst einmal gefunden hat.

Doch wie findet man die Berufung nun? Oder – findet sie mich? Und was, wenn ich gar nicht berufen bin? Gibt es Menschen ohne Berufung? Oder sind sogar nur die wenigsten berufen? Und woher weiß ich, ob ich berufen bin? Und wenn ja: Wozu?

Das spannende an diesem Begriff sind seine zwei Seiten: Berufung kann einen „Ruf“ von Außen meinen. Menschen, die als geeignet erscheinen, werden in ein Amt gerufen. Man traut ihnen was zu, man beruft sie als kompetente Kräfte, die eine Sache voranbringen oder eine Aufgabe wahrnehmen sollen. Mein Kassenwart ist so ein Typ.

Manchmal trifft so ein Ruf nicht auf große Gegenliebe: Die Berufung zum Wahlhelfer oder zum Schöffen ist ein Ehrenamt, das nicht immer große Begeisterung auslöst. Und hier bemerken wir, dass in dem Wort „Berufung“ zwei ziemlich gegenläufige Dinge mitschwingen: Einerseits gilt die Berufung als Ehre, andererseits aber auch als Verpflichtung.

Doch das kann nicht gemeint sein, wenn jemand „seine“ Berufung sucht. Wikipedia hilft weiter: „Unter Berufung im religiös-spirituellen Sinn wird das Vernehmen/Verspüren einer inneren Stimme verstanden, die einen zu einer bestimmten Lebensaufgabe drängt.“ heißt es da. Aha! Das klingt doch schon mehr nach der Berufung, die ich offenbar finden soll und die so viele offenbar verzweifelt suchen.

Aber wieso suchen die Menschen etwas, zu dem die innere Stimme sie drängt?

Hindernisse auf dem Weg zur Berufung

1) Wir sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht!

Kennt ihr diese Leute, die verzweifelt nach ihrer Brille suchen, obwohl die doch dekorativ im Haar steckt?? Jeder andere aber sieht diese Brille ganz deutlich! Wenn du deine Berufung nicht findest, dann kann es sein, dass sie dir einfach zu selbstverständlich geworden ist!

Weil wir glauben, dass Berufung eine BESONDERE Aufgabe im Leben sein müsse, uns aber unsere eigenen Gaben und Talente gar nicht besonders erscheinen, sind wir einfach blind für unsere Berufung!

Tipp: Frage einfach mal deine Freunde und Bekannten, wofür sie dich besonders lieben. Was sie am meisten an dir schätzen! Viele Menschen mit denen ich arbeite sind überrascht von dem was andere an ihnen als „besonders“ empfinden. Denn ihre Neigung, sich für Gerechtigkeit einzusetzen, ihre Leidenschaft für Sport, ihre Liebe zur Musik, ihr Talent zum Reden oder ihr Verständnis für Zahlen – das ist den Menschen schlicht zu selbstverständlich. Oft fragt man mich dann ganz verblüfft: „Kann das nicht jeder?“

2) Wir haben verlernt auf unsere innere Stimme zu hören!

Wir sind geprägt von der Welt in der wir leben: Unsere übernommenen Wertvorstellungen passen vielleicht nicht mit dem zusammen, was unsere innere Stimme uns sagt. Ich zum Beispiel bin in einem sehr weltlichen und diesseitigen Umfeld aufgewachsen. Es fällt mir noch heute schwer, offen über meine spirituellen Überzeugungen zu sprechen und diese selbstbewusst und selbstverständlich zu leben. Und das obgleich ich zwei Studiengänge in dem Bereich erfolgreich absolviert habe und somit eigentlich „Fachfrau“ für religiös-spirituelle Themen bin!
Meiner inneren Stimme steht ein Anspruch an wissenschaftliche Professionalität und die Überzeugung der postmodernen Gesellschaft entgegen, dass die eigene Religiosität Privatsache sei.

Wenn wir von Werten und Überzeugungen unser Umwelt stark geprägt sind, dann ist es manchmal schwer die leise Stimme im Inneren überhaupt zu hören.

Tipp: Wechsle doch einfach mal das Umfeld! Fahre in Urlaub, auf ein Seminar oder fange ein neues Hobby an, das nichts mit deinem sonstigen Bekanntenkreis zu tun hat – und lasse dein altes Ich zu Hause. In einer anderen Umgebung können wir uns neu erfinden – und der leisen Stimme Raum geben sich auszuprobieren.

3) Wir wollen unsere Berufung nicht sehen!

Die Wikipedia-Definition erwähnt noch einen interessanten Aspekt: Die Berufung „drängt“ uns zur Verwirklichung einer Lebensaufgabe. Aber manchmal ist das, wozu wir uns berufen fühlen, verdammt unbequem! Ob es um den Dienst am Menschen, die Verteidigung und Verbreitung von Werten oder die Rettung von irgendwas geht: Eine Berufung kann einem schon Angst machen!

Die Aufgabe scheint so hoch wie ein Berg und kaum zu bewältigen! Die Risiken und Gefahren für das Leben, wie ich es bis jetzt geführt habe, und die Gewohnheiten die mir lieb sind, sind nicht von der Hand zu weisen. Wer seiner Berufung folgen will, der wird etwas verändern, der muss etwas verändern – und da spielt das Ego oft nicht mit. Die Lösung haben uns schon die biblischen Propheten vorgemacht: Verdrängen, Verleugnen, Wegrennen. (Dass das nicht viel bringt und einen letztendlich unglücklich macht, zeigen aber die Autoren der Bibel auch schon auf.)

Berufung hat immer etwas damit zu tun, leidenschaftlich und irgendwie auch kompromisslos für das einzustehen, was man als richtig erkannt hat. Das Meiden dieser Erkenntnis ist daher eine beliebte Strategie, um die damit verbundenen Herausforderungen zu umgehen.

Tipp: Okay – die Stimme in dir mag dazu drängen die Welt zu verändern – aber auch kleine Schritte SIND bereits eine „Veränderung“. Niemand verlangt von dir, die ganze Welt zu retten. (Zumindest nicht sofort ;-)) Und die Erfahrung lehrt: Wenn du dich entscheidest deine Berufung anzunehmen, dann bekommst du auch Unterstützung. Weil du mit dir selbst im Einklang bist. Weil dein Umfeld sich deinem Weg anpassen wird. Weil die Zufriedenheit dir Kraft gibt und du in einen „Flow“ gerätst, wenn dein Handeln stimmig ist und deiner inneren Überzeugung entspricht.

Folgst du deiner Berufung – oder verfolgt sie dich?

An und für sich bräuchten wir unsere Berufung gar nicht suchen, denn sie läuft eh ständig neben uns her. Manchmal piesackt sie uns penetrant, weil wir sie nicht sehen wollen, manchmal macht sie sich unsichtbar und entzieht sich beharrlich unserer Erkenntnis – aber sie ist immer da.

Und ja: JEDER hat eine Berufung. Denn die Berufung ist nichts anderes als unsere innerste Überzeugung von dem was wir für gut und richtig halten oder was wir für wichtig und wertvoll erachten. Unsere Berufung spiegelt sich in unseren Talenten, unseren Wünschen und unseren Sehnsüchten. Sie liegt eigentlich ganz nahe!

Die Berufung ist die die Antwort auf die Frage „Was willst du wirklich?“ deines besten Freundes.
Du kommst ihr auf die Spur, wenn du dich fragst: „Wann bin ich wirklich glücklich und im tiefsten Inneren zufrieden?“. Oder als Coach formuliert: „Wenn du morgen aufwachen würdest und deine Welt wie durch ein Wunder plötzlich perfekt wäre: Wie würdest du leben wollen? Welche Hindernisse wären beseitigt? Welcher Leidenschaft würdest du dein Leben widmen?“

Ist es wirklich so simpel? Ja. Ist es! Nur unsere eigenen Ängste, die Konventionen unserer Gesellschaft und unser vertrauter Alltag stehen dem entgegen. Und das Gefühl der Berufung „folgen“ zu müssen – denn das würde ja implizieren, dass wir uns selbst zurückstellen müssten.

Das Gegenteil ist wahr! Die Berufung bedeutet, dass wir unser SELBST voranstellen. Das erfordert Mut. Aber es macht glücklich.

Allgemein

Bestimmt wird alles gut

Mir ist gestern ein Kinderbuch über Syrien, Krieg, Flucht und Hoffnung ist mir in die Hände gefallen. Heute ist Karfreitag – und da finde ich es sehr passend, euch dieses Buch vorzustellen, das von absolutem Verlust handelt und der Hoffnung, die uns weitermachen lässt. Ein Thema, das sowohl in meinen Coachings, aber auch in meiner Arbeit als Pädagogin immer wieder im Mittelpunkt der Arbeit steht. Wie gehen wir um mit einer Welt in der das Böse noch lange nicht gebannt ist? Dazu zunächst einige Gedanken von mir, ehe ich zur Buchbesprechung komme:

Viele von uns wurden in einer Zeit geboren in der „der Krieg“ nur ein Schreckgespenst der Vergangenheit war – keine reale Erscheinung der gegenwärtigen Wirklichkeit. Unsere Großeltern sagten „Gottseidank sind diese Zeiten vorbei“ und wir wuchsen in einer Welt auf in der Gewalt und Zerstörung auszusterben schien. „So etwas darf nie wieder geschehen!“ mahnte man in unserer Kindheit und man hoffte, wenn die Erinnerung an die Schrecken des Kriegs nur wachgehalten würde, dann würde die Menschlichkeit siegen.

In diesen Zeiten werden wir auf’s Neue mit der Brutalität konfrontiert, die ebenso Teil der Menschlichkeit zu sein scheint, wie Liebe, Freundschaft und Herzlichkeit.

Aber wie können wir mit unseren Kindern oder unseren Schülern über eine Welt sprechen, in der Krieg, Flucht und Verlust wieder Teil unserer Alltagswirklichkeit werden? In der Klassenkameraden, Nachbarn und Familien denen wir in KiTa und Schule begegnen tragische Erfahrungen machen mussten? Eine Welt in der Attentate und Terror uns zeigen, dass „Böse“ wieder (oder weiterhin) Teil unserer Wirklichkeit ist und „schlimme Dinge“ sich nicht auf abstrakten Konzepte wie Klimaerwärmung oder Atomenergie beschränken? Eine Welt in der es wieder von Menschen ausgeht, die anderen mutwillig Gewalt antun?

Kann man über so was überhaupt ein Kinderbuch schreiben? Man kann!

Kirsten Boie und Jan Birck ist es gelungen dieses sehr lesenswerte Buch zu verfassen, das ich im Folgenden besprechen werde. Ein Buch, von dem ich zutiefst wünschte, dass es keinen Anlass dafür gäbe. Und doch ein Buch, das notwendig ist.

Den Autoren gelingt dies, weil sie die Geheimnisse der Resilienz -der seelischen Widerstandskraft- nutzen: Sie nehmen die Realität so hin wie sie ist und beschreiben ohne zu dramatisieren oder zu beschuldigen. Sie suchen nicht nach Gründen und fragen nicht nach Schuld. Sie zeigen auf, dass Zusammenhalt hilft, schwere Zeiten zu überstehen. Sie machen anschaulich, dass es wichtig ist, seine neue Wirklichkeit so anzunehmen wie sie ist und sich einzurichten. Sie machen Mut, dass es möglich ist sich einzuleben. Selbstwirksamkeit, Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten und unsere Familien und Freunde und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft – das sind die Schlüssel zur seelischen Gesundheit auch in Krisenzeiten.

Den Kindern in dieser Geschichte gelingt dies wohl besser als den Eltern: Trotz aller Angst und Unsicherheit, fühlen sie sich geborgen in der Liebe ihrer Familie und nehmen die Herausforderung an. Sie lernen die neue Sprache, finden neue Freunde, passen sich an und blicken voll Vertrauen und Hoffnung in die Zukunft!

Das ist etwas, das ich auch meinen Kindern mitgeben möchte – und vielleicht auch etwas, das wir Erwachsenen selbst uns öfter zu Herzen nehmen sollten: Die Welt mag voll von Tragödien sein. Der Karfreitag erinnert Christen daran, dass Sterben, Tod, Folter und Verrat Teil dieser Welt sind und auch die anderen Religionen kennen diese Themen in ihren Mythen.

Doch vergessen wir nicht: Diese Welt ist AUCH ein Ort voller Vertrauen, Hoffnung und Liebe. Eine Welt in der auch Wohlwollen, Nächstenliebe und die Kraft jeden Morgen wieder aufzustehen und die Herausforderungen des Lebens anzunehmen beheimatet sind.

Dunkelheit und Licht sind beide Teil dieser Welt. Tragödie und der Sieg des Lebens liegen eng beieinander. Wir dürfen immer auf ein besseres Morgen hoffen. Daran erinnern die Feiertage der Religionen in diesen Tagen uns alle. Egal ob wir als Christen das Ostermysterium, als Neuheiden den Sieg des Lichtes oder einfach als Atheisten den beginnenden Frühling feiern!

In diesem Sinne: Frohe Ostern! Und was immer Euch im Leben widerfährt: Bewahrt Euch Vertrauen, Hoffnung und Liebe!

Eure Marion Mahnke

Buchbesprechung

„Bestimmt wird alles gut“ von Kirsten Boie und Jan Birck

Kinderbuch über die Flucht aus Syrien, 48 Seiten, mit ausdrucksstarken aber angemessenen Bildern, zweisprachig (arabisch/deutsch), Klett-Kinderbuch, 9.95 €
Hauptpersonen dieser wahren Geschichte sind die zehnjährige Rahaf und ihr Bruder Hassan. Beide stammen aus Syrien und fliehen mit ihren Eltern und ihren jüngeren Geschwistern vor dem Krieg. Pädagogisch klug gewählt beginnen die Autoren diese Geschichte in Deutschland, zwei Jahre nach der Flucht. Von Anfang an wissen wir also, dass die Familie heute in Sicherheit ist.

Wie es zur Flucht kam und was die Kinder hier erlebt haben wird nun als Rückblende erzählt: Zunächst erfahren wir einiges über das Leben vor der Flucht. Wir lernen das Haus und die Familie, die Freunde und das Leben kennen, dass die Kinder in Homs (Syrien) hatten. Alltägliche Situationen wie der Übernachtungsbesuch der besten Freundin und Beschreibungen der Lieblingspuppe gleiten langsam in ebenso alltägliche Berichte über das Sammeln von Patronenhülsen, Schulbesuche mit Bombenalarm und Straßenkämpfe über. In erschreckend simplen Worten gelingt es den Autoren eine Normalität der Gewalt zu vermitteln: „Immerzu haben die Männer auch in den Straßen gekämpft, mit Panzern und Gewehren. Manche Männer sind hinterher nicht mehr aufgestanden. Das hat alles Schöne kaputt gemacht. Und immer hatten Rahaf und Hassan Angst. In Syrien ist nämlich Bürgerkrieg.“.

Ohne die Sprachbarriere und das andersartige Aussehen, das uns im realen Kontakt mit Flüchtlingen schnell dazu verführt die Ereignisse in Kriegsgebieten dieser Welt als „weit weg“ zu betrachten identifiziert man sich viel schneller mit den Protagonisten: Der Vater ist Arzt, die Mutter bringt beim Übernachtungsbesuch dieselben Sprüche wie ich selbst sie in dieser Situation schon dutzendfach im Kinderzimmer ausgesprochen habe. Nein – das alles ist keine exotische Welt, die verdammt weit weg ist, sondern ein ganz normaler Familienalltag im Krieg.

Und genauso normal wirkt somit auch die Entscheidung der Eltern: Wir gehen in ein Land in dem keine Bomben fallen. In dem die Kinder sicher sind. Genauso normal wirkt das Kofferpacken, Geld einstecken und Einsteigen ins Flugzeug. Und plötzlich bin ich als Mutter mitten drin in der Geschichte: Die erschreckende Erkenntnis, dass die Schiffspassage völlig überbucht ist. Das enttäuschte Vertrauen, wenn das Gepäck von Schleppern nicht wie versprochen an Bord gebracht wird. Und die Autoren müssen keine Worte über die Gefühle der Eltern verlieren, wenn den Kindern kalt wird, sie hungrig und durstig sind und man tagelang Angst um ihr Leben hat – über das eigene denkt man sicher kaum nach.

Aber dies ist ein Kinderbuch. Und so geht es um die Erfahrung um Rahaf und Hassan, die zu jedem Zeitpunkt berührend, aber erstaunlicherweise zu keinem Zeitpunkt unerträglich beschrieben wird.

Die Familie kommt vollständig in Italien an, reist weiter nach Deutschland. Nach und nach wird Ihnen alles genommen: Geld, Kleidung, Identität, Sprache, Träume. Was bleibt ist die Hoffnung: „Bestimmt wird alles gut.“.

Wir begleiten die Familie ins Erstaufnahmelager und später in ihr neues „Zuhause“: Einen Container. Der Vater kann in Deutschland nicht arbeiten, die Verhältnisse sind beengt, in der Schule gibt es keine anderen syrischen Kinder. Doch nach und nach lernen die beiden Deutsch, finden Freunde und einmal kann der Vater als Ersthelfer bei einem Unfall seine medizinischen Kenntnisse anwenden: ein bisschen Stolz kehrt zurück in dieses von Grund auf zerbrochene Familienleben.

Auch wenn da noch eine Menge Heimweh und Unsicherheit spürbar bleiben: Am Ende siegt doch die Hoffnung: „Aber bestimmt geht das eines Tages vorbei. Und bestimmt kriegen sie eines Tages auch eine schöne Wohnung. Und Papa darf wieder arbeiten. Bestimmt.“.

Pädagogische Empfehlung

Dieses Buch ist sicherlich kein Kinderbuch, dass man Kindern einfach so in die Hand drückt. Eher schon ein Familienbuch zum Gemeinsam-Lesen mit Kindern von 8-13. Soll es mit jüngeren Kindern gelesen werden, empfehle ich dringend, dass die Eltern das Buch zunächst allein lesen um dann zu entscheiden, ob es für den Entwicklungsstand ihres Kindes angemessen ist.

Auch für den Einsatz in der Schule (Klasse 4-8) ist es sicherlich mit gebotener pädagogischer Vorbereitung nutzbar. Fachleute, die mit Flüchtlingskindern arbeiten haben hier ein sehr interessantes Medium mit dem sie zum Gespräch einladen können.

Die besondere Stärke des Buchs ist sicherlich der Umstand, dass der Text auf jeder Seite sowohl auf arabisch als auch auf deutsch verfasst ist. Die Geschichte kann also in beiden Sprachen gelesen werden, was gerade in der Arbeit mit arabischen und deutschen Kindern eine gleichberechtigte Ebene ermöglicht. Im Anhang gibt es zudem einen kleinen Sprachführer.

Der Stil des Buches ist schlicht und eindrücklich, aber kindgerecht. Dennoch wird die Geschichte aufwühlen. Es ist hier gelungen ein dramatisches Kinderschicksal ohne Beschönigung darzustellen, dabei aber dennoch einen ruhigen und hoffnungsvollen Stil beizubehalten.

Allgemein

Mit Kindern über Attentate sprechen …

„Marion – was sagst Du Deinen Kindern über Paris?“ werde ich heute morgen per SMS gefragt. Das kommt nicht unerwartet : Man sollte meinen, dass ich bei meinem Hintergrund bestens gerüstet wäre, meinen Kindern die Anschläge in Paris vom 13.November 2015 zu erklären.

Als Coach fällt es mir normalerweise leicht die richtigen Worte und treffende Vergleiche zu finden. Als Religionspädagogin gehört Seelsorge zu meinem Handwerkszeug und kindgerechtes Erklären ist ebenso ein wesentlicher Bestandteil (sozial-)pädagogischer Arbeit. Und nicht zuletzt kann man von einer Religionswissenschaftlerin durchaus erwarten solche Ereignisse korrekt einordnen zu können.

ABER: Über DIESE Ereignisse mit Kindern sprechen?

Auch mir fällt es heute morgen schwer, gute Worte zu finden. Dennoch: Ich bin überzeugt davon, dass Kinder über solche Dinge am Besten von ihren Eltern hören. Daher schreibe ich diesen Artikel für alle, die überlegen ob oder wie sie mit ihren Kindern darüber reden wollen. Ich bleibe heute sehr bei mir, meinen Kindern und meinen Überzeugungen – und hoffe, dass es dem ein oder anderen hilft seine eigene Position und seine eigenen Worte zu finden.

Im Angesicht dieser Ereignisse sind wir alle nur Menschen. Ich schreibe nicht als Coach, als Pädagogin oder Wissenschaftlerin. Ich schreibe heute als Mutter für andere Eltern. Und daher nehme ich mir die Freiheit meine LeserInnen heute einfach mal zu Duzen – denn heute sind wir alle nichts als Eltern, die denselben Auftrag haben: Ihren Kindern helfen unaussprechliche Schrecken in einer unsicheren Welt zu begreifen und einzuordnen.

Der Artikel untergliedert sich in folgende Abschnitte:

1) Warum mit Kindern über schreckliche Ereignisse reden?
2) Was sage ich meinen Kindern über terroristische Anschläge – und vor allem WIE sage ich es??
3) Dürfen wir diese komplexen Ereignisse vereinfachen? Dürfen wir unseren Kindern vorgaukeln, die Welt wäre sicher?

Ich freue mich über Rückmeldungen unter feedback@marion-mahnke.de. Erzählt mir, wie ihr mit euren Kindern geredet habt und welche Worte in eurer Familie geholfen haben! Doch nun zur eigentlichen Frage:

1. Warum sollten wir wir mit Kindern überhaupt
    über diese schrecklichen Ereignisse reden?

Man könnte meinen, dass es besser wäre, die heile Kinderwelt möglichst lange zu bewahren. Kinder nicht mit Dingen zu konfrontieren, die schrecklich, grausam und unfassbar sind.

Aber: Sie kriegen es sowieso mit! Und besser, wir als Eltern steuern was als Erstes beim Kind ankommt. Nur dann können wir ihnen helfen, die Dinge richtig einzuordnen.

Wenn erstmal im Kindergarten oder der Schule Ängste oder Vorurteile geschürt werden ist es schwer gegenzusteuern. Zumal die Kinder oft nicht erzählen, was der Grund ihrer Angst ist, wenn sie abends im Bett liegen und die Kindergarten- oder Schulhofgespräche nachklingen.

Noch schlimmer aber ist es, wenn die Kinder „Gesprächsfetzen“ von Erwachsenen mitbekommen, die gar nicht für sie bestimmt sind. Oft formen sich aus diesen Teilgesprächen Bilder, die wenig mit der Wirklichkeit zu tun haben. Wenn eine 11jährige etwa im Bus mitbekommt, dass einige Erwachsene sich sehr besorgt über den Terrorismus äussern und sagen, dass „man ja nirgends mehr sicher ist“, dann kann das sehr beängstigend sein.

Kinder bekommen sehr viel mit – aber können es noch nicht gut einordnen.

Daher – auch wenn es schwer fällt: Sprecht mit euren Kindern über die Ereignisse in Paris! Helft ihnen die Geschehnisse einzuordnen! Beugt Vorurteilen vor! Und vor allem: Helft ihnen zu verstehen, ob sie heute Angst haben müssen!

2. Was sage ich meinen Kindern über terroristische Anschläge –
    und vor allem WIE sage ich es??

Ich erzähl einfach mal, was ich meinen Kindern gesagt habe. In Schriftdeutsch aufgeschrieben klingt es etwas hölzern – am Frühstückstisch kommt es natürlich anders rüber. Aber ich verdichte das Ganze einfach, denn letztlich muss jeder den Inhalt ja doch in eigenen Worten widergeben, damit es authentisch ist.

Zunächst habe ich eine Situation gewählt, die undramatisch ist: Den Frühstückstisch. Es geht hier um etwas Schlimmes – aber es ist (für das kindliche Erleben) nicht so dramatisch wie der Tod eines nahen Angehörigen. Die Situation soll vermitteln: Das Leben geht weiter – es ist keine Katastrophe, die für euch persönlich Auswirkungen hat! Dann habe ich in etwa formuliert:

„Heute Nacht ist etwas sehr Schlimmes passiert. In Paris haben ein paar Leute Attentate begangen. Es sind Terroristen und sie haben dabei viele Menschen verletzt und getötet.Das ist eine schreckliche Sache. Aber ihr sollt wissen, dass das Dinge sind, die gelegentlich passieren. Genau wie Unfälle. Sowas ist schrecklich und kann passieren. Aber wir brauchen nicht davon ausgehen, dass es UNS auch passiert.

Terroristen wollen Aufmerksamkeit. Deshalb suchen sie sich meist Ziele wo die Menschen hinschauen. Berühmte Orte zum Beispiel. Oder eben Ereignisse wo Fernsehen und Zeitungen sowieso schon da sind um zu berichten.

Und sie wollen möglichst viel Schaden anrichten, damit die Menschen sich fürchten und Angst vor ihnen haben. Sie glauben, dass die Menschen dann das machen was die Terroristen wollen.

Gestern gab es ein wichtiges Fussballspiel in Paris. Die Terroristen wollten vermutlich den Ort angreifen, wo das Spiel stattfand. Weil da schon eine Menge Kameras waren und sie damit viel Aufmerksamkeit bekommen. Und weil da viele Menschen sind, denen sie schaden können und dann alle anderen auch Angst haben. Das hat Gottseidank nicht geklappt!

Die Sicherheitskräfte haben dafür gesorgt, dass das Fußballspiel sicher war. Deswegen haben die Terroristen an anderen Orten Attentate gemacht und Leute gefangen genommen. Aber sie konnten nicht so viel Schaden anrichten wie sie wollten.

Terroristen sind Verrückte. Deswegen kann man nicht verstehen wieso sie Angst und Schrecken verbreiten wollen. Manche denken, das hat was mit Religion zu tun. Das stimmt aber nicht. Manchmal wir von den Chefs der Terroristen Religion benutzt, um die Leute, die den Anschlag machen sollen zu beruhigen und zu kontrollieren. Die Chefs der Terroristen sagen dann: „Gott will, dass du den Anschlag machst. Wenn du dabei stirbst kommst du sofort zu Gott!“. Nur Verrückte glauben sowas! Die Attentäter machen solche Anschläge nicht, weil Gott das will, sondern weil sie verrückt genug sind ihren Chefs so einen Quatsch zu glauben. Die allermeisten religiösen Leute sind aber nicht verrückt, sondern ganz normal. Deswegen brauchen wir auch keine Angst vor Religion zu haben. Und wenn es Gott gibt, dann findet er solche Dinge bestimmt selbst total schrecklich! Das sagen auch alle Menschen die religiös sind ohne verrückt zu sein.

Das Ziel der Attentäter ist es einfach möglichst viel Angst und Schrecken zu verbreiten. Und deswegen suchen sie sich 1) berühmte Orte oder 2) wichtige Ereignisse und 3) grosse Menschenmengen, damit sie viel Schaden anrichten können.

DESWEGEN können wir uns in unserem Alltag sicher fühlen. Euer Kindergarten und Eure Schule sind für diese Attentäter viel zu klein. Unsere Stadt ist für Attentäter gar nicht so interessant. Und hier finden auch keine Großereignisse statt.

Ihr braucht euch also keine Sorgen zu machen: Die Wahrscheinlichkeit, dass sowas hier bei uns passiert ist sehr gering. Attentäter wollen sicher sein, dass sie großen Schaden anrichten und viel Aufmerksamkeit bekommen. Und deswegen suchen die sich andere Ziele aus als die Orte wo wir uns meistens aufhalten.

Aber: Es ist normal, dass man Angst hat, wenn solche Dinge passieren. Genau das wollen die Attentäter. Und deshalb ist das Beste was wir tun können: KEINE ANGST HABEN!

Was dabei hilft ist Folgendes:
1) Redet mit vernünftigen Erwachsenen darüber – nicht mit Kindern oder Menschen die ihr nicht gut kennt.
2) Denkt daran, dass es nur ganz wenige verrückte Menschen gibt. Wir dürfen darauf vertrauen, dass die allermeisten Leute genauso normal und liebevoll sind wie wir selbst.
3) Erinnert euch daran, dass es zwar schlimme Schurken geben mag – aber dass da draussen auch viele Polizisten, Feuerwehrleute und Sicherheitsexperten echte Helden sind. Sie können nicht ALLE Attentate verhindern, aber sie sorgen dafür, dass sowas nur sehr selten geschieht.
4) Macht euch klar, dass Terroristen meistens Attentate machen, wenn viele Leute an einem Ort

3. Dürfen wir diese komplexen Ereignisse vereinfachen?
    Dürfen wir unseren Kindern vorgaukeln, die Welt wäre sicher?

Ich kann mir vorstellen, dass einige einwenden werden, dass dies doch arg vereinfacht ist. Dass in Israel und an vielen Orten der Welt Terrorismus eben doch zum Alltag gehört. Dass Großstädte jederzeit potentielle Ziele sind. Dass die Motive der Terroristen und die religiösen Hintergründe differenzierter betrachtet werden müssen.

Das stimmt. Aber hier geht es um Kinder. Und sicher: Es ist nicht akzeptabel die Dinge unzulässig zu vereinfachen – aber hier geht es nicht um wissenschaftliche Genauigkeit und allumfassende Korrektheit. Das KANN ich auch – es hilft bloß nichts, wenn man mit kleinen Leuten redet.

Ich habe hier versucht Worte zu finden, die meinen Kindern helfen. Worte, die die Gefahr, die hier für uns besteht nicht negiert – aber sie auf ein realistisches Maß reduziert.

Die Welt ist nicht völlig gut. Und wir können nie völlig sicher sein. Aber gilt das nicht auch für Unfälle, Krankheiten und andere schreckliche Ereignisse? Realismus und Optimismus ist das Einzige, was gegen übermäßige Angst hilft, die uns zu verschlingen droht, wenn solche Berichte die Medien dominieren.

Ja – wir müssen Differenzieren. Als Erwachsene. Doch Kinder verstehen das noch nicht. Deswegen tun wir das, was wir als Eltern tun müssen: Unseren Kindern die Sicherheit zurück geben!

Die Angst, die bei Kindern durch Presseberichte und Gespräche mit anderen Kindern oder Mitgehörtem bei Erwachsenengesprächen geschürt wird, ist oft unverhältnismäßig hoch. Entsprechend eindeutig dürfen wir ihr Grenzen setzen.

Denn sonst haben diese Terroristen ihr Ziel erreicht: Angst und Schrecken zu verbreiten!

Vielleicht können diese Attentate uns daran erinnern, wie wichtig es ist Aggression, Wut und Zerstörung Einhalt zu gebieten! Wenn wir durch diese schrecklichen Ereignisse lernen einander mehr zu schätzen, liebevoller und freundlicher miteinander umzugehen, miteinander zu trauern, zu lieben, zu lachen, dann hat der Terror nicht gewonnen. Nehmen wir ihm die Macht! Denn ob er uns das Fürchten oder das Lieben lehrt – das entscheiden immer noch wir selbst!

Das Leben geht weiter: Lasst es uns mit Vertrauen, Liebe und Anteilnahme füllen!

Ich wünsche Euch allen gute Gespräche mit Euren Kindern!
Behaltet den Mut und das Vertrauen in die Menschheit!
Und nehmt Eure Kinder heute Abend fest in den Arm!

Eure
Marion Mahnke